Nebelswall 1 - 33602 Bielefeld
0521 - 51 23 94

starsIm Rahmen des dreijährigen  EU Projektes „Stars“ (Sustainable Travel Accreditation and Recognition for Schools), an dem das Ratsgymnasium seit 2013 teilnimmt, wurden Schüler und Schülerinnen  der E-Phase zu Experten ihres  Schulwegs  ausgebildet und haben eine Schulweganalyse erarbeitet.
Unterstützt wurden sie dabei von Felix Goldmann (Q2), der zu diesem Zeitpunkt eine Facharbeit zu dem gleichen Thema bereits fertig gestellt hatte und sich mit der digitalen Umsetzung mittels Tablet-Computern und der Schulweg-App bestens auskannte.


Im zweitägigen Projekt Unfallprophylaxe  (im Rahmen des fächerverbinden Lernens) machten die zwanzig Teilnehmer sich zuerst theoretisch mit den Richtlinien für verkehrssichere Fußwege und  Überwege und der Unfallschwerpunktekarte der Polizei vertraut und arbeiteten anschließend  in  einer  Ortsbegehung den Ist-Zustand und die Verbesserungsvorschläge aus.
Die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierten Lisa Klein , Constanze Meyer zu Erpen , Moritz Müller und Felix Goldmann auf Einladung von STARS-Koordinator Fred Schelp am 29.04.15 im neuen Technischen Rathaus.
Vor  den Dezernenten Herrn Witthaus und Herrn Moss (Baudezernent) sowie rund fünfzehn  Experten aus den Ämtern Verkehr  und der Polizei wurden die sehr anschaulich präsentierten Schülerbeiträge teils zustimmend, teils kontrovers diskutiert.
Beide Dezernenten lobten die Sachkenntnis der Schülerbeiträge, die hohe Bedeutung dieser Schüler-Schulweganalyse  für das Planungsamt und versprachen,  sie in die anstehenden Verkehrsplanungen einzubeziehen.
Am 18.09. 2015 werden die von den Schülern bearbeiteten Problembereiche innerhalb der Verkehrskommission der Stadt überarbeitet. Am 30.10. werden die intern gewonnenen Ergebnisse mit den Schülerinnen und Schülern  im Technischen Rathaus diskutiert und damit die Zusammenarbeit für einen sicheren Schulweg fortgeführt.


Ingrid Echterhoff

Am 16.6.2015 fanden für alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I die alljährlichen Bundesjugendspiele der Leichtathletik auf der Rußheide statt. Dabei kämpfte jede und jeder in den drei Disziplinen Sprint (50m oder 100 m), Weitsprung und Wurf/Stoß (Ballwurf oder Kugelstoßen) um die persönlichen Bestleistungen, eine Sieger- oder Ehrenurkunde.


Höhepunkt auch der diesjährigen Veranstaltung waren die Jahrgangsbestenläufe und die Klassenstaffeln. Mit ihren Sprintzeiten aus dem Dreikampf qualifizierten sich die jeweils 6 besten Mädchen und Jungen ihres Jahrgangs für die mit Spannung erwarteten Endläufe über 50 bzw. 100 m. Angefeuert von ihren Mitschülern ermittelten sie die schnellste Läuferin/ den schnellsten Läufer ihres Jahrgangs.
 
BUJU1Große Emotionen mit „Kreischfaktor“ gab es dann bei den abschließenden Rennen, als die Parallelklassen jeder Jahrgangsstufe in einer Pendelstaffel oder der 4x100 m Rundenstaffel gegeneinander antraten.    
       
BUJU2

 


Die Schülerinnen und Schüler legten an diesem Tag große Ernsthaftigkeit an den Tag, zeigten Leistungsbereitschaft und Kampfgeist und bewiesen, dass auch die heutige Schülergeneration sehr wohl in der Lage ist, einen leistungsorientierten sportlichen Wettkampf zu absolvieren.    


     
Die Fachschaft Sport dankt allen Helfern, gratuliert allen Siegern und Platzierten und auch allen, die vielleicht nicht zu den Jahrgangsbesten gehörten, sich aber motiviert diesem Wettkampf stellten und vielleicht neue persönliche Bestleistungen aufstellen konnten.

Deutscher Evangelischer Kirchentag 2015

Vom Kirchentag aus Stuttgart berichten für uns Jennifer Wenzel und Moritz Meier.

Mittwoch, 03.06.2015: 35. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Stuttgart eröffnet

Heute früh um 8.00 Uhr fuhren wir gemeinsam mit der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde mit dem Bus Richtung Stuttgart los. Um 15.30 erreichten wir ohne große Komplikationen bei 25 Grad unser Quartier, die Wilhelm-Maybach-Schule.

Nachdem wir unsere Klassenräume bezogen hatten, fuhren wir mit der Bahn zur Hanns-Martin-Schleyer-Halle, um uns dort unsere Presseausweise abzuholen. Danach ging es für uns – bereits mit vielen anderen Kirchentagsbesuchern – vom Neckarpark in die Innenstadt.

Der Schlossplatz, auf dem der Haupteröffnungsgottesdienst stattfand, war bereits eine Stunde vor Beginn überlaufen, sodass niemand mehr auf den Schlossplatz kam, sondern zum Rotebühlplatz umgeleitet wurde, auf dem ein weiterer Gottesdienst gefeiert wurde.

„Worte und Grüße zur Eröffnung" gab es von Bundespräsident Joachim Gauck. Er sprach in seiner Rede vom „Glauben als Quelle der Hoffnungssuchenden", in dem kein Platz für Intoleranz sei. Gauck würdigte die Ehrenamtlichen und mahnte in Anlehnung an die Losung, nicht nur klug, sondern klüger zu werden.

Aufgrund der Freundschaft zwischen evangelischen und katholischen Gemeinden in Stuttgart wurden die Menschen auf dem Schlossplatz von Bischof Dr. Gebhard Fürst herzlich begrüßt. Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart erhofft sich, dass alle Kirchentagsbesucher während ihres Besuchs Humanität erlernen würden.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Grüne) betonte die gemeinsame Zusammenarbeit für eine friedliche Zukunft. „Wir müssen anpacken", ermutigte Kretschmann.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn freute sich abschließend über das zahlreiche Erscheinen der Menschen.

Den restlichen Abend verbachten wir zunächst an der Minol-Brunata-Bühne, wo syrische Bürgerkriegsflüchtlinge selbstgeschriebene Gedichte in Monologen – untermalt mit Sazmusik – vortrugen. Ein ehemaliger Schauspieler sprach von seinem Leben im Gefängnis: „Dieses Grab ist mein Leben. [...] Diogenes hat nur in einer Tonne gelebt. Diese Zelle ist meine Tonne."  Was Menschen trenne, sei menschengemacht. Religion, Nationalität, Sprache.
Zuletzt nahm er Bezug auf die syrische Innenpolitik: „Ein Land von unterdrückten Menschen ist wie ein Friedhof. Ich schweige nicht."

Muhammad, Vater einer 10-köpfigen Familie, dankte Deutschland mehrmals und appellierte, unseren Frieden und unsere Freiheit zu bewahren. Danach setzten wir uns eine Zeit lang in ein Café. Beim Abendsegen um 22.30 Uhr sahen wir ein wirklich beeindruckendes Lichtermeer aus Kerzen.

Donnerstag, 04.06.2015

Jennifer Wenzel:

Heute begann mein Tag – nach einer eher kurzen Nacht – um halb Acht. Nach einem schnellen Frühstück in der Quartier-Schule fuhr ich gemeinsam mit einer Freundin aus der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in die Innenstadt zur Liederhalle. Dort hielt Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble eine Bibelarbeit zu der Bibelstelle Lukas 16,1-13 mit dem Thema „Klug handeln – mit dem Mammon". Nach einer kurzen musikalischen Einleitung durch ein Bläserorchester, das auch im weiteren Verlauf die Bibelarbeit mitgestaltete, begrüßte Wolfgang Schäuble die sehr zahlreich erschienenen Zuhörer und trug die besagte Bibelstelle, das Gleichnis vom untreuen Verwalter, vor.

Der untreue Verwalter muss seine Kündigung zur Kenntnis nehmen. Daraufhin entschließt er sich, den Schuldnern seines Herrn Schulden zu erlassen. Obwohl der Verwalter falsch gehandelt hat, da man nicht die Schulden eines anderen erlassen kann, wird er von seinem Herrn gelobt.

Wolfgang Schäuble betrachtete im Folgenden das Wort „Mammon", dessen Bedeutung und Herkunft nicht eindeutig sei und das allerdings eher einen negativen Klang habe und so zum Beispiel mit Habgier in Verbindung gebracht werde.

Daraufhin nahm er Bezug auf Politik und Wirtschaft. Er betonte, dass man mit Geld klug handeln könne und auch müsse. Durch Geld und den Umgang mit ihm zeigten Menschen ihr wahres Gesicht, weshalb wir Maßstäbe und Werte brauchten.

Durch Schuldenerlass helfe man anderen zur Selbsthilfe. Diese „Hilfe zur Selbsthilfe" spiele eine besondere Rolle. Die Solidarität solle die Eigenverantwortung ergänzen, aber nicht ersetzen.

Auch die Wendung „Nichts im Übermaß" habe in diesem Zusammenhang eine Bedeutung.

Dennoch betonte Schäuble, dass er einen Schuldenerlass in einigen Fällen für durchaus sinnvoll und notwendig halte, so bei ärmeren Ländern, wie zum Beispiel Nepal.

Zum Schluss rief er erneut dazu auf, Frieden und Freiheit für alle zu bewahren und einen Sinn für das Richtige und Falsche zu entwickeln, also zu wissen, was Mittel und was Zweck sei.

Nach der Bibelarbeit hatte ich geplant, zu dem Workshop „Yoga und Meditation" zu gehen, der allerdings leider schon länger vor Beginn komplett überfüllt war.

So beschloss ich, gemeinsam mit meiner Freundin auf den Markt der Möglichkeiten zu fahren.

Dort angekommen, machten wir zunächst eine kleine Mittagspause, da es auf dem Markt der Möglichkeiten nicht nur diverse Stände in den vielen Zelten gibt, sondern vor den Zelten besonders Essensstände mit sehr gutem landestypischen Essen aufgebaut sind.

Nach dem Essen führte uns unser Weg zunächst etwas vom Cannstatter Wasen weg zum Zentrum Jugend, da wir im Programmheft gelesen hatten, dass man dort Brot für ärmere Länder backen könne.

Auch beim Zentrum Jugend waren zahlreiche Stände aufgebaut. Schließlich hatten wir entweder den falschen Stand gefunden oder es gab eine Planänderung, da wir an dem Stand kein Brot für bedürftige Länder backen konnten, sondern nur die Möglichkeit bestand, eine Kleinigkeit für einen selbst zu backen, welche wir aber auch gerne nutzten.

Besonders interessant an diesem Stand, der von Brot für die Welt organisiert wurde, war ein „Spiel", bei dem man, indem man Mensch-ärger-dich-nicht-Figuren auf einer Landkarte verteilte, verschiedene Dinge, zum Beispiel Reichtum weltweit oder den Fleischverbrauch auf den Kontinenten, abschätzen sollte.

Aber natürlich gab es auch noch viele andere Dinge zu entdecken, die für Jugendliche besonders ansprechend sind. So konnte man an kleinen Gewinnspielen teilnehmen, Selbstteste machen, verschiedene Dinge, die mit Bewegung zu tun hatten, ausprobieren, auf den anliegenden Sportplätzen Fußball spielen, oder – was sich bei dem guten Wetter auch anbot – mit einem kühlen Getränk auf der Wiese etwas entspannen und sich sonnen.

Natürlich schauten wir uns, nachdem wir eine längere Zeit beim Zentrum Jugend verbracht hatten, auch noch weiter auf dem Markt der Möglichkeiten um, der sich immer mehr füllte.

Ursprünglich hatte ich überlegt, mir dort einen Schnupperkurs der Deutschen Gebärdensprache anzuschauen, aber auch hier war der Veranstaltungsort leider schon deutlich vorher wieder überfüllt. Mir wurde langsam klar, dass anscheinend nicht nur überfüllte Bahnen, sondern auch überfüllte Veranstaltungen zum Kirchentagsalltag gehörten. Dies ist natürlich schade, aber bei der Anzahl der Besucher verständlich.

Aber auch in den anderen Zelten des Marktes der Möglichkeiten kann man sich lange sehr gut beschäftigen, ohne überhaupt alles gesehen haben zu können. Die verschiedenen Zelte sind verschiedenen Themen zugeordnet. Zahlreiche Organisationen stellen ihre Arbeit vor können andere Informationen zum jeweiligen Thema liefern.

So gab es in einem Zelt zum Beispiel Gewerkschaften, die ihre Arbeit vorstellten, oder Parteien, die für verschiedene Projekte warben.

Meiner Meinung nach besonders interessant – auch für Jugendliche – war ein Stand, der sich mit Hören und Schwerhörigkeit beschäftigte. Dort konnte man die Lautstärke, mit der man normalerweise Musik hört, über einen MP3-Player einstellen und sie dann messen lassen. Die entsprechende Lautstärke konnte man dann auf einer Leiste suchen, auf der vergleichbar laute Geräusche notiert sind, und dort auch schauen, ob die gemessene Lautstärke auf Dauer Schäden verursachen kann.

Außerdem gab es auch MP3-Player, die einem vorspielten, wie ein schwerhöriger Mensch hört – mit einem direkten Vergleich zu einem gesunden Gehör.

Auch zum Thema „Bildung" befanden sich einige Stände in den Zelten. Hier wurden wir auch als potenzielle Studentinnen gezielt angesprochen und bekamen einiges an Infomaterial mit.

Natürlich gab es an allen Ständen Flyer und Broschüren, mit denen man sich noch weiter informieren konnte oder auf einzelne Dinge noch einmal zurückkommen konnte.

Wir verbrachten noch einige Zeit auf dem Markt der Möglichkeiten und beschlossen dann, zum Abend hin in einen Park zu fahren, der uns auf der Bahnfahrt in die Stadt aufgefallen war. Hier wurde zuerst von einem Bläserorchester Musik gemacht und danach sang eine Gruppe junger Leute.

Moritz Meier:

Um 9.30 Uhr begann im CVJM-Haus Johannes Kärchers Bibelarbeit. Der Unternehmer aus Winnenden widmete sich Lukas 16, 1 - 3.

Jesus erzählt ein Gleichnis von einem Verwalter, der nach seiner Kündigung den Schuldnern seines Chefs ihre Schulden kürzt.

Nach einem herzlichen Willkommen im überfüllten Großen Saal stellte Beatrice von Weizsäcker kurz die Person Kärcher vor.

Der Unternehmer ist nicht nur Volljurist und Träger des Bundesverdienstkreuzes, sondern studierte auch Pädagogik. Er trat mit 20 Jahren aus der Kirche aus, ist aber mittlerweile wieder Mitglied.

Zunächst fasste Kärcher die Taten des οικονομος, des Verwalters, zusammen. Dieser ist doppelt untreu gegenüber seinem Hausherrn und wird dafür auch noch vom κυριος, vom Herrn, gelobt.

Zunächst stellt der Winnender Ehrenbürger drei Thesen darüber auf, wer dieser Herr sein könnte, der den Verwalter lobt. Jesus? Gott? Des Verwalters Chef selbst?

Er zitiert das Gebot, alle sieben Jahre seinem Nächsten die Schulden zu erlassen, wie es in der Thora steht.

Schuld machen lassen, das sei ungerecht.

Wir müssten weniger Schwerpunkte auf Sicherheit legen, vielmehr Mut zum Risiko haben, mit Vertrauen auf Gott. Denn „Freiheit ist besser als Sicherheit."

Das scheine der Verwalter bereits getan zu haben.

Gott sei jedenfalls nicht gemeint mit dem griechischen Wort κυριος.

Da Jesus das Gleichnis selbst erzähle und für seinen Vater dieses Wort nicht benutze, könne man diese These schon ausschließen.

Klug handeln, das sei nach vorne schauen. Klug investieren, wie der Verwalter es in Menschenbeziehungen tut.

Eine halbe Stunde später fand ich mich in der Stiftskirche wieder, in der drei Menschen über eine Weltregierung sprachen: ein Politiktheoretiker und -philosoph, Prof. Dr. Rainer Forst, ein Jurist, Prof. Dr. Christian Möller, und ein Wissenschaftler, Prof. Dr. Michael Zürn.

Der Philosoph sieht in einer Weltregierung die Chance der Gerechtigkeitsentfaltung auf der Welt.

Der Wissenschaftler analysierte die aktuelle Gegenwart der NGOs, der „nicht regierenden Regierungen".

Der Jurist hingegen fragt, ob wir denn überhaupt eine Weltregierung wollten, und kehrte die ganze Frage um mit Verweis auf das 500 Tage regierungslose Belgien. Wer dennoch eine Weltregierung erstrebe, der solle erst einmal in Europa anfangen und sich nicht sträuben, die Türkei in die EU aufzunehmen.

In der Staatsgalerie fand um 16.00 Uhr ein Konzertvortrag von durch die Nationalsozialisten diffamierter Musik und Kunst – sogenannter entarteter Kunst – statt. Die Sopranistin Sarah Wegener überzeugte mit ihrer klaren Stimme das Publikum: Standing Ovations. Gesungen wurden Stücke von Hanns Eisler, Erich W. Korngold, Alban Berg und anderen.

Zu guter Letzt lief in der Liederhalle ein trialogisches Konzert: Trimum.

Mit Stücken aus allen drei monotheistischen Religionen – verbunden durch David als gemeinsamen Nenner – begeisterte das Ensemble das große Publikum.

Auch die Spieler selbst entstammten allen drei Brüderreligionen.

Ein gelungener Abend.

 

Freitag, 05.06.2015

Jennifer Wenzel:

Auch heute begann mein Tag mit einer Bibelarbeit – zum Thema „Klug sein angesichts der Unergründlichkeit des Lebens". Grundlage war die Bibelstelle Kohelet/Prediger 3, 9-13. Die „Bibelarbeit auf dem Weg" wurde von der Religionspädagogin Dr. Marion Keuchen und dem biblischen Theologen Prof. Dr. Martin Leutzsch gehalten. Unterstützt wurden die beiden unter anderem vom Tänzer und Religionslehrer Frieder Mann und weiteren jungen Leuten.

Während der Veranstaltung wurde auf verschiedene Aspekte der Bibelstelle Bezug genommen.

Zunächst betrachteten die Vortragenden den Vers 9, also die Frage: „Welcher Gewinn bleibt denen, die etwas tun, von ihrer Mühe?", indem sie die Frage einerseits an die Zuhörer weitergaben, die kurz miteinander diskutieren konnten, und andererseits darauf den Satz verschieden betont und aus verschiedenen Positionen (König, Bettlerin) vortrugen.

Danach beschäftigten sie sich mit dem Begriff der Ewigkeit, der ebenfalls im Text erwähnt wird. Hier betrachteten sie vor allem die hebräische Wortherkunft und die unterschiedlichen Übersetzungsmöglichkeiten, die Benutzung des Wortes und überlegten, wie man sich die Ewigkeit vorstellen kann.

Weiterhin wurde über den Zusammenhang von Freude und dem Tun von Gutem geredet.

Das Besondere – und meiner Meinung nach auch sehr Interessante – an dieser Bibelarbeit war, dass oft Fragen in den Raum gestellt oder Denkanstöße gegeben wurden, über die jeder für sich nachdenken konnte und sich so, auch mit Hilfe von Interpretationsansätzen der Vortragenden, eine eigene Meinung zu dem Thema bilden konnte.

Was außerdem besonders an der Bibelarbeit war, war, dass es zwischendurch Tanzeinlagen vom bereits genannten Frieder Mann gab und auch die anderen jungen Helfer die Bibelarbeit aktiv mitgestalteten, indem sie zum Beispiel kurze Lieder sangen, oder das Lied „Happy" zum Thema „Freude" einspielten, mittanzten und auch die Zuhörer dazu motivierten. Auch kleine schauspielerische Szenen wurden zwischendurch gespielt.

Zum Abschluss der Bibelarbeit wurde noch eine Deutungsmöglichkeit genannt, die besagte, dass man sich mit Freude freiwillig und ehrenamtlich engagieren solle.

Nach der Bibelarbeit, die im Innenhof des alten Schlosses stattgefunden hatte, ging ich zu der Veranstaltung „Klug werden – macht Schule klug?" am angrenzenden Karlsplatz.

Dieser Vortrag begann mit einem Impuls der Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Prof. Jutta Allmendinger. Sie vertrat die Meinung, dass Noten und Schulabschlüsse weniger über das Klugsein aussagen, da diverse Fähigkeiten, wie zum Beispiel soziale Kompetenzen, in diesen Abschlüssen nicht berücksichtigt würden.

Trotzdem betonte sie, dass die Schule wichtig sei, da sie in der heutigen Zeit auf ein vorausichtlich langes Leben vorbereite und die Schülerinnen und Schüler dort einige Kompetenzen erlernten, die sie zu Hause auf Grund nicht vorhandener Geschwister nicht lernen können.

Außerdem war sie der Meinung, dass man von Vielfalt lernen könne und eine häufige und frühe Trennung diese Vielfalt unmöglich mache.

Zum Ende ihres Impulses rief Jutta Allmendinger zu einer besseren Ausbildung für Schulleiter, mehr Geld für Bildung, das auch schon früh eingesetzt werden solle, und zum Abbau von Bildungsarmut auf.

Nach ihrem Impuls nahm die Vortragende zusammen mit Maike Axenkopf, einer Stipendiatin, und der Schulleiterin Margret Rasfeld an einer Podiumsdiskussion teil.

Maike Axenkopf war der Meinung, dass Schule klug machen könne und auch einiges Sinnvolles lehre, aber viele Begabungen nicht entdeckt oder nicht gefördert würden, weshalb wir bessere Schulen brauchten, die außerdem das Wissen besser vermittelten. Hierzu solle es eine bessere Ausbildung zum Lehrer geben.

Durch die fest vorgeschrieben Lehrpläne, die außerdem auch viel Stoff beinhalteten, werde nichts gefördert, was nicht im Lehrplan steht.

Sie betonte auch, dass die Schule lieber das vermitteln solle, was man könne und nicht das, was man nicht könne.

Margret Rosfeld äußerte zu dem Thema, dass Lernen über Beziehungen funktioniere und ein Lehrer, der mehrere 100 Schüler unterrichte, nicht auf alle Schüler eingehen könne. Folglich soll ihrer Meinung nach ein Lehrer weniger Schüler unterrichten.

Auch den Druck, der heutzutage von vielen Seiten auf die Schüler einwirkt, kritisierte sie.

Die Schule müsse sich verändern, war auch ihre Meinung. Besonders interessant fand ich ihren Vorschlag das Fach „Verantwortung" in die Schulen einzuführen (an einigen Schulen gibt es dieses Fach sogar schon). Hier könnten die Schüler ihre Zeit sinnvoll nutzen, indem sie auf verschiedene Weisen Verantwortung übernähmen und bewusst selbstverantwortlich handelten.

Auch das Publikum konnte mitwirken, indem es Fragen oder Anregungen gesammelt vortragen ließ und dadurch die Diskussion anregte. Man kam erneut auf Fragen zu Inklusion und mehr Geld für die Schulen zu sprechen.

Das Schlusswort der Diskussion kam von Maike Axenkopf, die kritisierte, dass das Abitur viele Wege verwehre, da fürs Studium teilweise ein NC gefordert worden sei, den man als Schüler nicht habe erreichen können, da seine Stärken und Interessen in einzelnen, oft nicht unterrichteten Dingen gelegen hätten.

Dem Schlusswort stimme ich auf jeden Fall zu, da ich selbst solche Situationen, zum Glück nicht selbst, aber bei anderen erlebe.

Zwischen den verschiedenen Veranstaltungsteilen gab es Musik von den C. Braz.

Der letzte Teil der Veranstaltung war überschrieben mit „Vom Leben lernen" und beinhaltete ebenfalls ein Podium mit Ulrich Christenn von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und Susanne O'Byrne von der Kindernothilfe.

Beide berichteten über ihre Arbeit, wobei ich besonders die Kindernothilfe sehr lobenswert fand, da diese Kindern in Katastrophenländern oder Kriegsgebieten Schule und Bildung ermöglichen will und ermöglicht.

Ab 13 Uhr gab es überall in der Stadt diverse Mittagsgebete, bei denen – genau wie bei anderen Veranstaltungen – viel gesungen wurde. Besonders oft hört man – passend zum Kirchentagsmotto – das Lied „Klüger".

Für den weiteren Tag traf ich mich wieder mit einer Freundin, mit der ich gemeinsam durch die Innenstadt bummelte. Dort waren natürlich auch sämtliche Stände und Zelte aufgebaut, wie zum Beispiel die Kirchentagsbuchhandlung.

Besonders beeindruckend fanden wir das „Erlebnismobil" im Schlossgarten. Dies war ein Angebot der Christoffel-Blindenmission, die sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt und für gleiche Rechte und Chancen kämpft.

In dem Erlebnismobil konnte man erleben, wie Menschen mit grauem Star sehen. Dies gelang durch eine spezielle Brille, die auf den ersten Blick nur so aussah, als ob sie einen leicht verschwommen sehen lassen würde, mit der man aber, sobald man sie aufhatte, kaum noch etwas sehen konnte. Nur Farben und Umrisse konnte man gelegentlich begrenzt wahrnehmen. Mit dieser Brille und einem Taststock begaben wir uns in das Erlebnismobil, in dem ein kurzer Weg mit Hindernissen wie Treppenstufen, Steigungen und Dingen, die einem den Weg teilweise versperren konnten (Mülltonne, Schild...), aufgebaut war.

Trotz Taststock war es schwer, sich zurechtzufinden und nirgendwo gegenzulaufen, sodass mir im Nachhinein klarwurde, was man für einen Respekt gegenüber sehbehinderten Menschen haben sollte!

Am späteren Nachmittag ging es für uns wieder in Richtung Schule, um uns noch vor dem großen Andreas Bourani Konzert etwas zu essen zu kaufen.

Das Konzert startete um 19.30 Uhr mit der Vorband Sea & Air. Andreas Bourani trat schließlich um kurz nach 20 Uhr auf.

Neben den bekannten Liedern wie „Ein Hoch auf uns" und „Auf anderen Wegen" sang er noch einige andere Lieder. Die Stimmung war sehr gut, das Publikum sang stets mit und Andreas Bourani gab zum Schluss auf Wunsch sogar noch eine Zugabe.

Moritz Meier:

Mein Morgen begann mit einer Dialogbibelarbeit von Außenminister Steinmeier (SPD) und dem Ethikratsvorsitzenden Prof. Dr. Dr. Dr.h.c. Eckhard Nagel zur Stelle Prediger/Kohelet 3, 9 - 13.

Kohelet klagt darüber, dass er arbeite, ohne danach etwas erreicht zu haben.

„Alles hat seine Zeit ", entgegnet Steinmeier darauf. Nagel fügt hinzu: „Ein Filmemacher hat mir vor ein paar Wochen erzählt, der Filmschnitt heute ist 16 mal schneller als 1990." Wir nähmen Zeit immer schneller war.

„Paradox, dass wir uns dann auch noch eine Stunde lang mit 3 Versen beschäftigen", schmunzelt Nagel.

Letztendlich rechtfertige Kohelet das Aufschieben von Arbeit auf den nächsten Tag.

Beide schweifen nun ab, über Deutschlands Beziehungen zu Israel, die Steinmeier trotz seines Flugverbots über Israel als ein Wunder preist, zur Sterbehilfe, die beide Sprecher energisch ablehnen und damit großen Applaus vom Publikum erhalten.

Einem weiteren Sozialdemokraten hörte ich in Fellbach zu. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) debattierte mit Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm über TTIP und seinen kanadischen Bruder CETA.

Nach der Rede des Geistlichen gegen TTIP war Gabriel dran. Noch bevor er das erste Wort gesagt hatte, erhoben sich drei Viertel des Saals von ihren Plätzen und hielten Plakate mit den Aufschriften „STOP TTIP" oder „ANTI CETA!" hoch. Organisierte Aktivisten hatten die große Mehrheit im Saal.

„Mir ist schon klar, dass ich die Arschkarte gezogen habe", leitete Gabriel seine Rede ein. Nach einigen unnötigen Zwischenrufen legte der Minister richtig los. Er verwies zunächst auf die schwedischen und französischen Sozialdemokraten, die das Freihandelsabkommen eindeutig befürworteten. TTIP stecke noch mitten in den Verhandlungen. Man könne es nicht von vornherein ablehnen.

Gabriel selbst hat für sich zwei Parameter festgelegt. Zum einen dürfen die Standards sowohl in Deutschland als auch in den Vereinigten Staaten nicht verändert werden. Zum zweiten wird Gabriel einem Vertrag, in dem private Schiedsgerichte beinhaltet sind, nach denen ein Unternehmen den Staat verklagen kann, nicht zustimmen.

Innerhalb der Zuschauerkritik wurde weiterhin die fehlende Transparenz zu den Verhandlungen bemängelt.

Um 19.30 Uhr fand eine Gedenkveranstaltung zu Ehren des ehemaligen und verstorbenen Kirchentagspräsidenten Richard von Weizsäcker statt. Von Weizsäcker ist maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass auf dem DEKT mehrere Meinungen sich gegenseitig befruchten. Auch der jüdisch-christliche Dialog begann auf Wunsch von Weizsäcker zu blühen. Er war ein Brückenbauer.

Nach der Gedenkveranstaltung konnte ich gleich auf meinem Stuhl sitzen bleiben und gespannt Giora Feidman lauschen, dem jüdischen Klarinettisten.

Ein derart ausdruckstarkes Konzert habe ich noch nie erlebt. Feidman schafft es, mit Humor und unglaublicher Musikalität das Publikum auf seinen Sitzen zu fesseln.

Und mit diesem Ohrenschmaus der obersten Klasse endete mein Freitag.

 

Sonnabend, 06.06.2015

Jennifer Wenzel:

An meinem letzten richtigen Kirchentagstag hörte ich mir wieder zuerst eine Bibelarbeit an. Diese wurde vom Zentrum Jugend veranstaltet und fand in der Scharrena statt. Nachdem ich vergeblich versucht hatte, noch in eine der Bahnen, die zum Neckarpark fahren, zu kommen, beschloss ich schließlich doch zu Fuß zu gehen und war zum Glück noch gerade pünktlich.

Die Bibelarbeit beschäftigte sich mit der Bibelstelle Matthäus 25, 1-13 und war überschreiben mit dem Thema „Kluge junge Frauen".

Das Gleichnis handelt von einer bevorstehenden Hochzeit. Diese Hochzeit kann erst stattfinden, wenn der Bräutigam kommt, der sich aber verspätet. Um den Bräutigam zu begrüßen, sind zehn Jungfrauen mit Lampen vorgesehen. Fünf Jungfrauen sind „klug" und nehmen sich noch Öl mit, falls die Lampe ausgehen sollte. Die anderen fünf hingegen sind „töricht" und nehmen sich kein zusätzliches Öl mit. In der Nacht schlafen alle, werden dann aber durch Rufe geweckt, dass der Bräutigam komme. Die Lampen der Törichten sind mittlerweile ausgegangen und sie wissen nicht, was sie tun sollten. Die Klugen sind der Meinung, dass ihr Öl nicht mit für die anderen reicht und diese sich in der Stadt Öl kaufen sollten, was die Törichten dann auch tun. Als sie wieder zurückkommen, ist das Tor allerdings verschlossen.

Ihre Gedanken zu der Bibelstelle stellten Hanna Bohnekamp, Theologiestudentin und Zweitplatzierte der Germany's-Next-Topmodel-Staffel auf dem Jahr 2010, der Religionspädagoge Richard Janus und der praktische Theologe Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke vor.

Hanna erklärte, dass sie sich bei der Beschäftigung mit der Stelle ein paar Fragen gestellt habe, und zwar weshalb die klugen Frauen ihr Öl nicht mit den törichten teilen und weshalb man wach sein soll, obwohl der Schlaf der Frauen nicht das Hindernis darstellt, da alle durch den Ruf geweckt werden.

Zum Schluss wurden zwei Deutungsansätze vorgestellt.

Der erste Ansatz geht davon aus, dass wir immer vorbereitet sein müssen, da wir wissen, dass irgendwann der jüngste Tag kommen wird und man nicht einfach so in den Himmel kommt.

Alle sind zum Reich Gottes eingeladen, allerdings muss man durch Liebe zu Gott und seinen Mitmenschen darauf hinarbeiten.

Der zweite Deutungsansatz besagt, dass man zu viel Angst davor hat, nicht in den Himmel aufgenommen zu werden, weshalb man nicht aus Panik „wegrennen" soll. Gott liebe einen, so wie man ist, und so solle man ihm auch entgegentreten.

Das Besondere an der Bibelarbeit war, dass sie für das überwiegend jugendliche Publikum passend gestaltet war, da sie schon zu Beginn das Thema der Bibelstelle, also die Frage danach, wie man in den Himmel kommt, durch Spielen des Songs „OMG!" von Marteria (Refrain: Oh mein Gott, dieser Himmel, / wie komm ich da bloß rein?) auf den Punkt gebracht hat.

Bei den zwei Interpretationsansätzen durfte das Publikum entscheiden, welchen es besser fand. Der Wettstreit zwischen den zwei Ansätzen wurde in Anspielung auf Hannas Teilnahme bei Germany's Next Topmodel als „Germany's Next Textmodel" bezeichnet.

Nach der Bibelarbeit ging ich in die Porsche-Arena, um mir dort die Veranstaltung „Menschenrechte weltweit verteidigen" anzuhören.

Sie begann damit, dass der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty, einen kurzen Vortrag hielt.

Zunächst stellte er heraus, dass 2014 ein sehr schlimmes Jahr für die Menschenrechte gewesen sei und es neben Konflikten und Kriegen auch versteckte Menschenrechtskrisen gegeben habe, wie zum Beispiel in Lateinamerika, wo immer wieder viele Menschen einfach verschwunden seien. Als Gründe für Menschenrechtsverletzungen nannte er unter anderem die Regierungen und Politiker und die wachsende Armut und Ungleichheit.

Das Hauptthema der Veranstaltung war „Schutz und Rechte für Lesben und Schwule", wofür sich Amnesty International unter anderem auch einsetzt. Salil Shetty nannte in diesem Zusammenhang aber nicht nur den Erfolg in Irland, wo nun gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt sind, und das Ziel, weiter für diese in anderen Ländern zu kämpfen, sondern auch den Einsatz Amnesty Internationals für das Verbot der Todesstrafe. Hier habe es zu Beginn ungefähr 30 Länder ohne Todesstrafe gegeben und nun, nach einigen Jahren Kampf für deren Abschaffung, gibt es noch ca. 30 mit Todesstrafe.

Auch thematisierte er kurz die Behandlung von Frauen in manchen Ländern und sprach über die vielen Menschen, die zur Zeit gezwungen sind, aus ihren Ländern zu fliehen, und die Unterbringung dieser Flüchtlinge.

Nachdem Salil Shetty zu seinem Vortrag viel Zustimmung bei den Zuhörenden gefunden hatte, hielt Alice Nkom, eine Juristin und Menschenrechtlerin aus Kamerun, einen Vortrag.

Sie setzt sich vor allem für Homosexuelle in ihrem Land ein und schilderte die derzeitigen Zustände:

Viele Menschen würden Opfer von Gewalttaten und würden inhaftiert – nur auf Grund ihrer Homosexualität oder oft auch nur, weil sie aussähen, als ob sie homosexuell wären. Auch von ihren Familien würden die Leute dann verstoßen, es gehe sogar so weit, dass die Familie selbst die Todesstrafe fordere.

Alice Nkom sprach auch über konkrete Personen, wie zum Beispiel einen Mann, der nur auf Grund einer SMS inhaftiert worden sei.

Als Grund für diese Diskriminierung würden oft die afrikanischen Werte genannt, die mit Homosexualität nicht im Einklang gebracht werden könnten.

Auch der scheinbare Fortschritt, die Tatsache, dass Kamerun verschiedene Texte gegen Diskriminierung und Folter unterzeichnet hat, sei eigentlich keiner, da man diese Texte nicht einhalte.

Neben der Regierung kritisierte Alice Nkom auch die Kirchen, sowohl die katholische als auch die evangelische, da diese, wie sie am eigenen Leib habe erfahren müssen, Leute, die für Homosexuelle kämpfen, vom Gottesdienst ausschlössen und predigten, dass nur eine Ehe zwischen Mann und Frau richtig und alles andere verwerflich sei und bekämpft werden müsse.

Alice Nkom hingegen pocht auf Werte wie Liebe, Achtung des Lebens und der Schöpfung Gottes, Nächstenliebe und das Mitgefühl für die, die keine Liebe erfahren. Diese Werte fehlen ihr heutzutage in der Kirche.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden Fragen und Anregungen aus dem Publikum eingesammelt, über die die Vortragenden zusammen mit der Friedensforscherin Dr. Martina Fischer, die die Veranstaltung moderierte, sprachen.

Es wurde gefragt, was der Staat und die Kirche tun könnten oder sollten, um die Ungerechtigkeit zu stoppen, aber auch was man als Einzelperson, vor allem als Jugendlicher, machen könne.

Das Fazit bestand in der Feststellung, dass jeder etwas machen kann und machen sollte. Die Menschen brauchten einen besseren Zugang zu ihren Rechten. Vor allem die Jugendlichen sollten angesprochen werden und besser ausgebildet werden, damit sie wissen, was Menschenrechte sind. Allerdings solle Letzteres nicht nur für die Jugend, sondern für alle Menschen gelten.

Nach der Veranstaltung verbrachte ich noch einige Zeit im Gebiet rund um den Neckarpark, in dem es immer noch Neues zu entdecken gab.

Da ich meinen Koffer für die Abfahrt schon packen wollte, damit es morgen früh nicht so stressig wird, fuhr ich beizeiten zurück in die Schule. Für den Abend hatte ich mich mit Freunden zum Essen-Gehen verabredet, um die Fahrt in Ruhe ausklingen zu lassen.

Moritz Meier:

Bereits 40 Minuten vor Beginn war Eckart von Hirschhausens Bibelarbeit in der Porsche-Arena am Neckarpark fast ‚ausgebucht'.

Seine Bibelstelle befasste sich mit zehn Jungfrauen, die mit Fackeln losziehen. Fünf kluge nehmen Öl mit, fünf törichte vergessen den Vorrat.

„Allein die Tatsache, dass wir in der Porsche-Arena darüber reden, dass einem das Öl ausgeht...", dachte der Mediziner nach. Das Publikum hatte viel zu lachen während dieser Bibelarbeit. Aber Hirschhausen konnte auch anders: „Ich gebe Ihnen nun einen Moment Zeit darüber nachzudenken, was auf Ihrem Grabstein stehen soll." Andächtige Stille.

Am Mittag lief ich durch die Zelthallen, in denen zahlreiche Messestände mit kleinen Häppchen und Flyern auf mich warteten.

Um 12.30 fand eine Informationsveranstaltung der FDP Baden-Württemberg unter dem Titel „Liberales Denken und (christliche) Freiheit" statt, auf der Frau Schwaetzer, Ministerin a. D., und Herr Theurer, MdEP, über den Liberalismus in Verbindung mit Protestantismus sprachen.

Am Nachmittag fanden sich ca. 1500 Leute in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle ein. Nach einem großartigem Vorspiel der Beatstomper aus Bad Urach startete eine Diskussion zum Thema „Marktverantwortung und –ordnung".

Daimler-Vorstandsmitglied Frau Dr. Christine Hohmann-Dennhardt, GLS-Bank-Sprecher Thomas Jorberg, Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung, sowie taz-Redakteurin Ulrike Hermann sprachen über neue Wirtschaftssysteme und Nachhaltigkeit.

taz-Redakteurin Hermann hatte wohl die radikalste Ansicht in der Runde. Sie will „weniger Selbstverantwortung" und fordert mehr gesetzliche Verordnungen, was sie am Beispiel von T-Shirts erklärt, auf denen sie mehr Informationen zur Herstellung gesetzlich zwingend bekommen möchte. Die Zeit der libertären Globalisierung sei vorbei, bestätigt Thieme. Die Funktionäre waren sich in fast allen Punkten sehr einig, die eine radikaler, der andere weniger, aber der Tenor war derselbe: Mehr gesetzliche Verordnungen, die den Markt beschränken und ihm Ketten anlegen.

Nach der Diskussionsrunde besprachen Bundespräsident a. D. Köhler und Kirchentagspräsident Dr. Barner in etwa dasselbe. Köhler fordert eine Finanztransaktionssteuer, während Barner vor allem an den Verbraucher appelliert, den Markt durch sein eigenes Verhalten zu steuern.

Aus liberaler Sicht ein enttäuschender Nachmittag, zumal er von den Meinungen auch recht eintönig war.

Nach einer Verschnaufspause mit den Kollegen im Pressezentrum aß ich noch etwas mit Freunden im Restaurant. Was gab's?

Natürlich Käsespätzle!

 

Sonntag, 07.06.2015

Jennifer Wenzel:

Für heute war es geplant, dass wir um 8 Uhr vom Bus an der Schule abgeholt werden, der uns zum Abschlussgottesdienst bringen sollte. Allerdings kam der Bus erst zwei Stunden später als geplant, sodass wir beschlossen, nicht mehr zum Gottesdienst zu fahren, der bei unserer Abfahrt auch schon begonnen hatte. Stattdessen machten wir uns mit dem Bus direkt auf den Weg zurück nach Bielefeld.

Allerdings fiel der Gottesdienst doch nicht komplett für uns aus, da er im Radio übertragen wurde und wir ihn deshalb während der Fahrt hören konnten.

Es wurde viel gesungen und gebetet, unter anderem für Flüchtlinge und vor allem für die Kinder, die besonders unter der Situation leiden, da ihnen die Bildung verwehrt bleibt.

Aber auch wurde Gott gedankt, da er für einige Menschen vieles möglich gemacht hat und Wünsche erfüllt.

Besonders Bezug genommen wurde in diesem Kontext auf eine Stelle, in der Salomo in einem Traum einen Wunsch von Gott frei hat und sich darauf ein „hörendes Herz" wünscht.

So wie Salomo sich Frieden wünscht und dabei jeden aus seinem Volk miteinbezieht, so sollte es sein.

Der Kirchentag wird als vorbildliches Ereignis genannt, da Menschen ihre Häuser anderen zur Verfügung stellten und Alt und Jung gemeinsam auf Isomatten in Schulen geschlafen haben. Dies sei der Traum Salomos, der sich eine Gesellschaft wünscht, in der jeder respektiert und geachtet wird und einen Sinn und eine Aufgabe hat.

Natürlich durften bei dem Gottesdienst Fürbitten und der Kirchentagsspalm (Psalm 1) nicht fehlen.

Nachdem wir einen Stau erfolgreich umfahren hatten, trafen wir schließlich um 17.45 Uhr wieder sicher in Bielefeld ein.

Der Schlussgottesdienst in der ZDF-Mediathek

Nora Steen: Mit dem Herzen wissen... - Predigt im Schlussgottesdienst

Moritz Meier

Kirchentag 2015 – Ein Resümee

Bevor ich mich auf die Reise nach Stuttgart machte, gingen mir so manche Gedanken durch den Kopf. „Da bin ich fehl am Platz", überlegte ich. Vor mir das Bild eines Treffens sehr frommer Christen, die nichts anderes machen als zu ihrem Jesus zu beten.

Mit diesen Erwartungen im Hinterkopf war der Kirchentag eine Art Schock. Der Deutsche Evangelische Kirchentag 2015 war mein erster Kirchentag, sodass ich ja gar keine Ahnung hatte, was wirklich auf mich zukommen würde.

Vier Spitzenpolitiker aus dem Bundeskabinett an einem Tag zu treffen, in Bahnen zu steigen, in denen alles singt, Diskussionen mit Philosophen und Bundespräsidenten über Marktwirtschaftssysteme und Weltherrschaften zu hören, Menschen aus allen Weltreligionen anzutreffen, das hatte ich mir nun wirklich nicht vorgestellt.

Aber genau das ist der Deutsche Evangelische Kirchentag – ein vielfältiges Angebot an Veranstaltungen, bei dem für wirklich jeden etwas bei ist, ob religiös oder atheistisch, christlich oder nicht.

Die schwäbischen Veranstalter überzeugten Hunderttausende mit ihrer Gastfreunschaft und guten Organisation.

Außerdem möchten wir, die diesjährigen Schülerjournalisten, noch Gerhard Sternberg, Christian Fabritz sowie Sebastian Reichelt dafür danken, dass sie uns die Möglichkeit gegeben haben, den Kirchentag mit Presseausweisen ausgestattet besuchen zu dürfen und zu können. Herzlichen Dank!

Ich bin überzeugt: Der Kirchentag ist ein Erlebnis für jeden!

In zwei Jahren findet der Kirchentag in Berlin/Wittenberg statt.

Ich werde dabei sein!

Wie geht es Menschen, die den Tod vor Augen haben? Wie lässt sich Leid ertragen? Wie kann man Sterbende begleiten? Im Rahmen des Christologie-Kurses setzten sich die Schüler und Schülerinnen des Kurses Katholische Religionslehre mit existentiellen Fragen auseinander.
Am 11. Juni 2015  nutzten die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Religionslehrerin Frau Tenge  das Angebot, das Konzept des Hospizes in  Bethel näher kennenzulernen.
Frau Dierkschnieder,  Mitarbeiterin des stationären Hospizes „Haus Zuversicht“ in Bethel,  stellte das Konzept des Hauses vor, erzählte von ihrem Berufsalltag und band die Schüler einfühlsam in die Auseinandersetzung mit diesen ernsten und schwierigen Themen ein.
Während noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa 80 Prozent aller Menschen zu Hause starben, sterben heute mehr als zwei Drittel im Krankenhaus. Sterben und Tod vollziehen sich für die meisten Menschen in einer fremden Umgebung unter wenig vertrauten Menschen. Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern sind zeitlich und manchmal auch menschlich überfordert die Sterbenden in ihrer letzten Zeit zu begleiten. Verstanden sich die ehemaligen Hospitäler – abgeleitet vom lateinischen Wort „hospitium“ im Sinne von „Station der Gastfreundschaft“ - als Ort der menschlichen Fürsorge und Aufmerksamkeit, so knüpft die heutige Hospizbewegung an diese Kultur des menschenwürdigen Leidens und Sterbens an. Sie hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Nordamerika und Europa zahlreiche Orte eingerichtet, in denen todkranke Menschen in Würde sterben können.
Es war die englische Sozialarbeiterin, Krankenschwester und Ärztin Cicely Saunders, die etwa 1967 in einem Londoner Vorort das erste Hospiz unserer Zeit schuf. Sie hatte kurz nach dem 2. Weltkrieg einen polnischen Flüchtling aus dem Warschauer Getto, Davis Tasma, kennengelernt, den sie bis zu dessen Tod 1948 durch ein mühsames Krebsleiden begleitete. Im Erleben der Trostlosigkeit eines solchen letzten Lebensabschnittes entwickelten beide die Idee von einem Haus, einer Heimstatt für Sterbende. Tasma hinterließ der Krankenschwester 500 englische Pfund und die Bitte: „Lassen Sie mich ein Fenster sein in Ihrem Haus, das wir gemeinsam geplant haben!“ Aus diesem Wunsch entstand das inzwischen berühmt gewordene St. Christopher´s Hospiz.
1998 ist das Bielefelder „Haus Zuversicht“ in Bethel  - aus dem ehemaligen Wohnhaus eines  Pfarrers mit 10 Kindern-  entstanden. Das Haus bietet heute  in zehn Einzelzimmern Platz für Gäste, die von einer unheilbaren, weit fortgeschrittenen Krankheit betroffen sind.  Die große Wohnküche ermöglicht Platz für Gemeinschaft, doch jeder Gast und jeder Angehörige  entscheidet selbst  über das ihm passende Maß an Öffentlichkeit oder Zurückgezogenheit.                                                                                     Die Schüler und Schülerinnen zeigten sich beeindruckt von der freundlichen Atmosphäre des Hauses und den anschaulichen Erzählungen der Mitarbeiter. Spontan meldete sich eine Schülerin für ein Praktikum in den Sommerferien, um mehr von dem Hospiz kennenzulernen.

(R. Tenge)

IMG 9045