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Im Lateinunterricht sind die Grammatik und das Übersetzen ein essenzieller Teil des Lehrplans, doch auch das inhaltliche Analysieren eines Textes darf nicht zu kurz kommen. Deshalb haben wir, die OIIIa, nachdem wir Fabeln übersetzt haben, uns in einer sechs Schulstunden langen Unterrichtseinheit mit dem Inhalt, den sprachlichen Mitteln und dem Aufbau von fünf verschiedenen Fabeln des römischen Dichters Phaedrus auseinandergesetzt.
Dabei haben wir in Zweier- bis Vierergruppen zunächst den Inhalt anhand von deutschen Übersetzungen und struktureller Analyse erarbeitet. Um unseren Mitschüler*innen diesen Inhalt auf eine ihnen naheliegende Weise zu vermitteln, stellten wir unsere Ergebnisse anhand von kreativen Produkten wie beispielsweise eines Videos, einer Radiosendung oder eines Comic dar. Die Form dessen konnten wir uns selbst aussuchen.

Unten können Sie an ein paar Ergebnissen sehen, wie kreativ man sich mit einer Fabel auseinandersetzen kann.

Nach der Projektarbeit fragte unsere Lateinlehrerin nach einer Rückmeldung: Uns allen hat die Projektarbeit viel Spaß gemacht und das Prinzip vom Lernen, wenn Mitschüler*innen einem etwas beibringen, wurde auch als positive Erfahrung bewertet.

Franka Lüders und Merlind Steffen, OIIIa, 24.05.22

  

 

duo muli

 

 

Von dem Aktionsprogramm „Ankommen und Aufholen nach Corona“ profitierten in diesem Halbjahr alle 5. und 6. Klassen des Ratsgymnasiums. Unter Rückgriff auf erlebnispädagogische Methoden gestaltete der Diplom-Sozialarbeiter Björn Hansen einen Tag zur Stärkung der Klassengemeinschaft und Teamfähigkeit. Anstelle von Unterricht verbrachten die Kinder somit je einen Schultag in der kleinen Halle mit unterschiedlichen Spielen, die Erfolgserlebnisse für jeden einzelnen, aber vor allem die gesamte Klasse ermöglichten und die das Vertrauen untereinander und in sich selbst weckten. So galt es, mit verbundenen Augen der Stimme eines Teampartners zu folgen, als Wachhund die Korken des eigenen Teams zu verteidigen oder mit einer Kleingruppe ein Tuch auf die andere Seite zu drehen, ohne von diesem herunterzusteigen. So mancher entdeckte dabei, dass man auch mit anderen Mitschülerinnen und Mitschülern als gewohnt gut zusammenarbeiten und so Einiges schaffen kann. Das Highlight dabei war eine abgewandelte Form von „Reise nach Jerusalem“, wobei die Klasse sich auf immer weniger werdenden Stühlen platzieren sollte, ohne den Hallenboden zu berühren. Hier konnten es die Klassen wohl selbst kaum glauben, dass – wie z.B. in der 6c – tatsächlich 27 Kinder auf 4 Stühle passen! Am Ende durfte natürlich eine Reflexionsrunde nicht fehlen, bei der die Schülerinnen und Schüler die gemachten Erfahrungen auswerteten und beispielsweise selbst einschätzen sollten, ob sie sich an vereinbarte Regeln gehalten oder eher nach Schlupflöchern gesucht haben. Wir danken Björn Hansen für diese tollen Team-Building-Tage, die vielen strahlenden Gesichter und die neuen Erfahrungen, durch welche die Klassen weiter zusammenwachsen durften!

J. Förster, 24.05.22

 

„Warum tun alle so, als sei alles, was nicht wichtig ist, sehr wichtig, während sie gleichzeitig unheimlich damit beschäftigt sind, so zu tun, als wenn das wirklich Wichtige überhaupt nicht wichtig ist?“, ruft Pierre Anthon (überzeugend gespielt von Mike Kronsbein) seinen Mitschülern auf der Bühne zu. Fragen wie diese lassen die 18-köpfige Schüler*innengruppe auf die Suche nach der Bedeutung des Lebens gehen, die sich durch das ganze Stück zieht, welches auf dem Roman „Nichts“ der dänischen Bestseller-Autorin Janne Teller basiert.

Der nihilistische Ansatz des Schülers Pierre Anthon, dass nichts etwas bedeutet und es sich deshalb nicht lohne, irgendetwas zu tun, ruft dabei bei den Mitschüler*innen blanke Wut hervor. „Wir müssen Pierre Anthon eben beweisen, dass es etwas gibt, was etwas bedeutet“, schlägt schließlich Sofie (gespielt von Antonia Luge) vor und schon beginnt der Bau des „Bergs der Bedeutung.“ Die Schüler*innen tragen alle Sachen zusammen, die ihnen etwas bedeuten und geraten dabei in einen makabren Überbietungswettkampf, der zuletzt dazu führt, dass sogar der Hamster von Gerda (Maya Sohrmann) und der Finger des talentierten Gitarrenspielers und eigentlichen Cliquenchefs Jan Johann, lautstark verkörpert von Henri Kronsbein, geopfert werden und auf dem Berg landen. Beeindruckend gelingt auch die Szene des Opfers von Sofie, die, um etwas Bedeutendes beizusteuern, ihre Unschuld verliert, was Literaturkursleiter Michael Bruderhofer gekonnt inszenieren ließ. Symbolisch zerstachen dabei die Jungen der Gruppe Luftballons in Herzform, die um die verzweifelt wirkende Protagonistin drapiert sind. Auch die Veränderung der Erzählweise trägt dazu bei, die Romanvorlage ansprechend auf die Bühne zu bringen. Die im Buch erzählende und auf der Bühne überzeugend exzentrisch verkörperte Agnes (Alicia Berdnikov) wurde durch die gemeinsam rückblickende Schülergruppe ersetzt, die durch die Handlung führt.

Letztlich fliegen die Jugendlichen auf und schockieren Eltern und Lehrer*innen. Als dann dann aber die Presse berichtet und ein New Yorker Museum den Berg für einen Millionenbetrag als Kunstwerk ankaufen will, sind die Schüler*innen überzeugt: Sie haben die Bedeutung gefunden.
Als sie Querulant Pierre Anthon dann aber mit ihrer Erkenntnis konfrontieren, eskaliert die Situation, denn dieser zeigt sich unbeeindruckt und wertet den Verkauf des Kunstwerks sogar als Beleg für die Bedeutungslosigkeit des Bergs. Dabei greift die Inszenierung gekonnt auch die Kapitalismuskritik des Buches auf, indem hier (finanzieller) Wert und Bedeutung kontrastiert werden. Am Ende bleibt eine eindrucksvoll inszenierte Szene als Ausdruck der Verzweiflung. So fällt den Schüler*innen nichts Anderes ein, als den Urheber der unbequemen Frage mit Schlägen zum Schweigen zu bringen, sodass auch am Ende ein „Nichts“ steht. Die bedrückende Erkenntnis des Buches bringen die Jungschauspieler*innen dabei beeindruckend auf die Bühne.

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Sofie (Antonia Luge) opfert ihre Unschuld auf der Suche nach Bedeutung, was durch das Zerstechen der Luftballons durch Mitschüler Hans (Rotimi Ogunniyi) symbolisiert wird.

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Masken symbolisieren Kälte und Entfremdung der Schüler*innen (v.l.n.r.): Frederik (Tristan Halfar), Jan-Johan (Henri Kronsbein), Ingrid (Fouton Langhi), Dominik (Maximilian Krau), Henrik (Valentin Jaspers), Marie-Ursula (Sontje Güntzel), Rosa (Alexandra Halter) und Dennis (Karl Bremer) auf ihrer Suche nach Bedeutung und dem Sinn des Lebens.

11.05.22

Text: M. Karmann, Fotos: Lara Potechius 

 

Nach einem Jahr pandemiebedingter Pause ging in diesem Schuljahr unser Satellitenlabor des teutolab-robotik am Ratsgymnasium in die zweite Runde. 37 Fünftklässler tauchen immer freitagnachmittags in die Welt der Arduino-Mini-Computer ein und werden dabei von sieben Schülerinnen und Schülern aus der Jahrgangsstufe 9 unterrichtet.

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Die Neuntklässler werden zuvor modulweise in Workshops an der Universität Bielefeld zu Schülerdozenten ausgebildet:

„Wir lernen dabei viel über Strom, Schaltkreise oder zum Beispiel das Programmieren von Arduino-Boards und auch über die Physik und Technik, die dahintersteckt. Einiges aus diesen Einheiten kannten wir schon aus dem Physikunterricht, aber ich glaube, die praktische Anwendung und das Vertiefen all dieser Themen hilft wirklich dabei, die Dinge auch tiefergehend zu verstehen und im Gedächtnis zu behalten. Der Unterricht ist zwar manchmal etwas anstrengend, macht aber immer Spaß, und einmal die Möglichkeit zu haben, das Gelernte auch wirklich anwenden zu können, ist auf jeden Fall interessant.“ (Charly, 9c)

Dabei lernen „die Großen” nicht nur inhaltlich viel, sie lernen auch die Lehrerperspektive kennen:

„Zwischen diesen Unterrichtseinheiten [an der Universität] findet jeden Freitag auch die tatsächliche AG statt. Dabei geben wir das, was wir gelernt haben in von uns und den Projektleitern (also Jonas Tillmann und Mahdi ElTegani) vorbereiteten AG-Stunden an die Fünftklässler weiter. Anfangs war das alles noch sehr neu und ein wenig seltsam. Die ersten Stunden waren etwas unkoordiniert und wahrscheinlich für beide Parteien anstrengend, aber das hat sich schnell ausgelotet und mittlerweile sind die Schülerdozenten untereinander ein gutes Team. Die Abschnitte des Unterrichts werden vorher eingeteilt, jeder sieht sich die Materialien und Themen einmal genauer an und bereitet sich auf den Unterricht vor. Als man zu Beginn noch ungeübt darin war, konnte das ganz schön lange dauern, aber auch das hat sich gebessert. Wenn alles glatt läuft, macht der Unterricht uns und hoffentlich auch den Fünftklässlern Spaß. Besonders gefällt mir dabei die Wissbegier einiger Schüler, denn dann kann man sich richtig in das Thema einfinden und der Unterricht bleibt spannend und interessant.“ (Charly, 9c)

Diese neue Rolle verändert bei einigen von ihnen auch die Sicht auf den eigenen Unterricht in der Schule:

„Zur zweiten Stunde sollten die 5.Klässer dann aufgeteilt werden und in zwei Hälften unterrichtet werden. Ich fand es sehr interessant mal vor einer, wenn auch kleineren, Klasse zu stehen und zu unterrichten. Ich dachte davor immer die Lehrer würden den Unterricht relativ spontan machen, aber wenn wir jetzt immer die letzten Wochen unterrichtet haben, war Vorbereitung sehr wichtig, damit vor allem in einer größeren Gruppe jeder weiß, was er machen muss. […] Zum Lehrer Dasein gehört nämlich auch die Schüler-Lehrer Verbindung und das man richtig mit Problemen oder Fragen umgehen kann. Das ist auch ein Grund warum ich es im Nachhinein sinnvoll finde dieses Angebot anzunehmen und einmal den Job eines Lehrers zu übernehmen.“ (Lena, 9c)

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Die AG-Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die von den Schülerdozenten angeleitet werden, gehen in die 5. Klasse und schätzen das Robotik-Angebot an der Schule sehr:

„In der Robotik AG lerne ich viel über Physik und Technik. Es ist schön, dass man technische Experimente in Begleitung versuchen darf. In bestimmten Schulfächern hilft einem das Wissen auch, so dass man leichter in der Schule klarkommt.” (Titus, 5a)

„Mir gefällt, dass man da so viel über Schaltkreise lernt.” (Jesse, 5b)

„Mir gefällt, dass man […] an komplizierten Dingen wie Handy oder Computer das Geheimnis dahinter entdeckt und die Zusammenarbeit an diesen Techniken.” (Charlotte, 5a)

„Ich gehe gerne zur Robotik-AG, weil ich Spaß daran habe, etwas über Informatik zu lernen. Später möchte ich auch einen Beruf machen, der mit Mathe und Informatik zu tun hat. Deswegen hilft mir die Robotik AG weiter.” (Jesse, 5b)

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S. Haubrock und M. Horn, 11.05.22     

In dem katholischen Religionskurs der Q1 wurde am 08. April 2022 der römisch-katholische Theologe Professor Theodor Schneider per Videoanruf in den Unterricht geschaltet. Im Unterricht hatten wir uns zuvor mit der Theodizee-Frage (Wie ist das Leiden in der Welt mit der Annahme eines gütigen Gottes zu vereinbaren?) beschäftigt, so dass Professor Schneider hier als Experte dienen konnte, um mit uns über die verschiedenen aus dem Unterricht bekannten Positionen und die zugrundeliegenden Gottesbilder zu sprechen.

Im Rahmen seiner universitären Tätigkeit und seiner Arbeit im ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen hat sich Theodor Schneider um eine Theologie bemüht, die den Menschen in den Bedingungen seiner Zeit erreicht. Durch seine zusätzliche Arbeit als Priester und Seelsorger war er für uns ein sehr guter Ansprechpartner bezüglich unserer Fragen zur Leiderklärung und Leidbewältigung.

Da Herr Selke während seines Studiums für Theodor Schneider gearbeitet hat und so einen Kontakt zu ihm herstellen konnte, hat er uns angeboten, einen Theologieprofessor in den Unterricht einzuladen, der sich aus verschiedenen Perspektiven mit der Theodizee-Frage auseinandergesetzt hat. Zuvor hatte sich unser Kurs einige Fragen überlegt, die wir Herrn Schneider stellen wollten.

Besonders beeindruckend fanden wir dabei neben seinen Positionen zur Theodizee-Frage die teils sehr persönlichen Erfahrungen und die hoffnungsvolle Grundstimmung, die er mit uns teilte. Als wir ihn nach seiner Sicht auf die Kirche fragten, antwortete er mit „kritisch bis hoffnungsvoll“. So hofft er, dass sich die Kirche in Zukunft weiter zum Besseren verändert. Dafür sei allerdings eine Änderung im Bewusstsein der Menschen in der Kirche notwendig. Auch meinte er, dass mehr Frauen in der Kirche nötig seien und ihn die Gegenargumente gegen Frauen in kirchlichen Ämtern nicht überzeugen würden. Das Bild, dass die Kirche und Frauen für viele nicht vereinbar sind, habe sich durch die Geschichte zu sehr gefestigt.

Auf die Frage nach seiner Lieblingsstelle aus der Bibel zitierte er uns diese sofort. „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht“ (Jes 49,15). Zum Abschluss des Gesprächs gab er uns noch die Worte: „Gott ist größer als das menschliche Herz“ mit.

 

Professor

Helen Fehring, 04.05.22