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Ein Jahr lang immer am Freitagnachmittag proben, Texte lernen, sie vorzutragen üben, nur um in zwei neunzigminütigen Aufführungen die Geschichte von Michael Endes „Momo“ zu spielen – lohnt sich der Zeitaufwand?

Auf jeden Fall! Da war sich das Publikum der beiden Aufführungen der Theater-AG im Forum des Ratsgymnasiums einig. Die Schülerinnen und Schüler brachten Michael Endes Roman in mitreißender und zugleich nachdenklich machender Weise auf die Bühne. Momo bekommt es mit den grauen Herren, den Agenten der „Zeitsparkasse“ zu tun, die auf unheimliche Weise die Zeit der Menschen aufsaugen und dafür sorgen, dass Kinder und Geschichtenerzähler plötzlich kein Gehör mehr finden. Smartphones gab es 1973, als Ende seine Geschichte schrieb, zwar noch lange nicht, aber die grauen Herren der Theater-AG haben diese im Gepäck – und im Publikum breitet sich die schaurige Erkenntnis aus, dass es vielleicht keine grauen Herren unter uns gibt, aber inzwischen eben doch technische Geräte, die deren Geschäft perfektioniert haben.

Unter der Leitung von Jakob Warlich, unterstützt von der frisch aus der Elternzeit zurückgekehrten AG-Gründerin Pia Sewing, wuchsen die Schülerinnen und Schüler der Unter- und Mittelstufe über sich hinaus und zeigten den Kindern und Erwachsenen im Publikum eindrucksvoll, wie sehr es sich lohnt, sich Zeit für gute Geschichten zu nehmen – insbesondere, wenn sie so gut vorgespielt werden wie an diesen beiden Abenden.